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12.12.2017 Kunststoff Cluster: Digitaler Wandel benötigt neue Geschäftsmodelle

Integrierte Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und Biokunststoffe: Diese Themen standen u.a. am 5. und 6. Dezember 2017 beim 4. Internationalen Polymerkongress im Zentrum zahlreicher Vorträge und Diskussionen.

√úber 200 Teilnehmer holten sich Fach-Input f√ľr ihr Unternehmen und tauschten sich mit Branchenkollegen bei dem heurigen Veranstaltungs-Highlight des Kunststoff-Clusters aus.

Lernen von den Besten
Der erste Tag stand traditionell ganz im Zeichen von Best Practice. Nach Firmenpr√§sentationen bei den Vorzeige-Kunststoffunternehmen Greiner Packaging in Kremsm√ľnster, Haidlmair in Nu√übach, RICO in Thalheim bei Wels und dem Transfercenter f√ľr Kunststofftechnik in Wels trafen sich die Teilnehmer zu vier parallelen Erfahrungsaustauschrunden. "Die Impulsvortr√§ge zu den Themen Spritzguss, Werkzeugbau, Extrusion oder Leichtbau haben spannende Diskussionen eingeleitet und den Teilnehmern einen - sehr technologiespezifischen - Erfahrungsaustausch erm√∂glicht", freut sich der Manager des Kunststoff-Clusters Ing. Wolfgang Bohmayr.

Beiratswechsel im Zeichen der Kreislaufwirtschaft
Europa sei zwar nur f√ľr 2 % der Meeresverschmutzung verantwortlich, habe aber das technische Know-how, um L√∂sungen f√ľr dieses Problem zu liefern, so Christian Altmann von der Business Upper Austria, der f√ľr Recyclingtechnologie aus √Ėsterreich eine gro√üe Chance sieht. Das Thema Kreislaufwirtschaft werde massiv an Bedeutung gewinnen werde, darin waren sich die Branchenkenner einig, wenngleich es f√ľr den Einsatz von Recyclingware, v.a. von Haushaltsabf√§llen, noch zahlreiche Hemmnisse g√§be. Diese zu beseitigen, ist eines der Hauptanliegen des neuen Beiratssprechers des Kunststoff-Cluster, der am Kongress offiziell sein Amt √ľbernommen hat. DI Manfred Hackl, der CEO der EREMA Gruppe, dem Weltmarktf√ľhrer f√ľr Recyclinganlagen will in Zusammenarbeit mit der Landes-Abfallunternehmen (LAVU) und weiteren ober√∂sterreichischen Leitbetrieben entlang der Kunststoff-Wertsch√∂pfungskette zeigen, wie Kreislaufwirtschaft funktionieren kann. Als Start f√ľr die "Initiative Kreislaufwirtschaft" der Kunststoff-Branche wurde am Polymerkongress der Mehrweg-Sammeleimer "√Ėli" aus Altkunststoff der LAVU als 100% Recyclingl√∂sung pr√§sentiert. "Der Kunststoffk√ľbel steht f√ľr firmen√ľbergreifende Zusammenarbeit und entsprechende Technologiekompetenz, um Kreislaufwirtschaft zu realisieren", sagt KC-Manager Wolfgang Bohmayr. "Bis dato konnten die Anforderungen, die an den "√Ėli" gestellt wurden, nur durch Neuware gel√∂st werden." "Nur gemeinsam k√∂nnen wir durch konkrete Umsetzungen aufzeigen, dass Kreislaufwirtschaft m√∂glich ist", so Hackl. "Dazu ist der Kunststoffstandort √Ėsterreich bestens aufgestellt. Wir haben alle Kompetenzen auf engstem Raum und k√∂nnen beim L√∂sen mit Technologiekompetenz aus √Ėsterreich unterst√ľtzen" so Hackl weiter. Als bedr√ľckend, wie in der Bev√∂lkerung Kunststoffe wahrgenommen werden, empfindet es der Leobener Universit√§tsprofessor Clemens Holzer, der auch √ľberzeugt ist, dass es m√∂glich sei, Qualit√§tsprodukte aus Recyclingware mit √∂kologischen und √∂konomischen Vorteilen herzustellen. Sein Wunsch: Die √∂ffentliche Hand solle vermehrt eine Vorreiterrolle √ľbernehmen und auf Recyclingprodukte umsteigen.

Halbwissen √ľber Biokunststoffe
Weniger mit Imageproblemen in der Bev√∂lkerung, mehr mit Halbwissen haben Biokunststoffe zu k√§mpfen, so Stefan Laske von der IM POLYMER GmbH. Biokunststoff seien per se nicht √∂kologischer als herk√∂mmliche Kunststoffe und k√∂nnen diese auch nicht generell ersetzen, erkl√§rte der Spezialist f√ľr Biokunststoffe. Sie seien aber deutlich mehr als ein reines "Marketinginstrument und helfen Ressourcen zu sparen". Sie ben√∂tigen spezielles Know-how, sei es in der Verarbeitung oder im Einsatzzweck. Wenn schon die bestimmungsgem√§√üe Verwendung eines Kunststoffteils die Verrottung in Gang setzen w√ľrde, k√∂nne er f√ľr seine Kunden auch keinen gew√ľnschten bioabbaubaren Kunststoff empfehlen, erz√§hlte Laske. Und: Biokunststoffe seien zwar kompostierbar, w√ľrden aber in vielen Kompostieranlage herausgefiltert und verbrannt, denn der Kompostierer erkenne nicht, ob Bio- oder herk√∂mmliches Plastik, so Laske √ľber eine weitere f√ľr ihn fragliche Situation.

Digitaler Wandel benötigt neue Geschäftsmodelle
Dass die digitale Vernetzung l√§ngst Einzug in den Werkzeug- und Formenbau gehalten hat ist f√ľr Michael Salmen von der RWTH Aachen unbestritten. Effektivit√§tssteigerungen seien durch Integration in die Kundenprozesse m√∂glich. "Warum sollte aber ein Kunststoffverarbeiter seine Daten erfassen und an den Werkzeuglieferanten liefern? F√ľr ihn ist klar, dass dies k√ľnftig nur √ľber neue Gesch√§ftsmodelle, bei denen der Verarbeiter auch von der Datenverarbeitung profitiere zu bewerkstelligen sei, etwa durch Verkauf einer "Werkzeugs mit einer Produktivit√§tssteigerung" statt des Verkaufs eines "Nur-Werkzeugs". Neue Gesch√§ftsmodelle seien auch f√ľr JKU-Professor Georg Steinbichler, gleichzeitig Forschungsleiter beim Maschinenbauer ENGEL, notwendig. Er sieht auch einen notwendigen Wandel bei den Verarbeitern. Denn, wenngleich modernste Maschinen, Anlagen- und Werkzeugtechnik vorhanden seien, erfolge die Einstellung und Prozessoptimierung noch vielfach durch "Probieren".

http://www.kunststoff-cluster.athttp://www.kunststoff-cluster.at

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