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Mecaplex AG
Ein Kleiner mischt gross mit

Die Schweizer Mecaplex AG mit Sitz in Grenchen ist ein Nischenplayer in der Luftfahrtindustrie. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Verglasungen in den verschiedensten Bereichen. Beinahe jeder Segelflieger europä- ischer Bauart und viele Privatflugzeuge sind mit Mecaplex-Scheiben ausgestattet.

Die grosse Spezialität des Grenchener Unternehmens ist die dreidimensionale Verformung von Acrylglas (PMMA) ohne optische Distorsion (Verzerrung). Dank ihres Know-hows auf diesem Gebiet ist das Familienunternehmen mit seinen 85 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der Luftfahrt gut verankert. 90 Prozent der Teile und Systeme, die das Werk verlassen, sind für die Luftfahrtindustrie be- stimmt; bis auf die Firma Pilatus Aircraft geht alles in den Export. Der Rest (10 %) ist für industrielle Anwendungen wie Hauben für Maschinen, Abdeckungen aller Art, Fahrzeuge, Designerteile oder DekoInterieurs bestimmt.

Mecaplex AG - Sprengschnur
Sprengschnur in Form einesTannenbaums beim Hawk.

Wer einen automatisierten Betrieb erwartet, sieht sich getäuscht. «Der hand- werkliche Prozess ist das, was der Bieger im Griff hat», erklärt Ernest Oggier, Marketing & Stiles Aircraft Transparencies, den Arbeitsablauf. «Unsere Mitarbeiter, die an der Maschine stehen, haben das Know-how und das richtige Gefühl - die wissen genau, wo sie wann ziehen müssen, damit das Glas die beste Verformung mitmacht.» Die reine Herstellung und Nachbearbeitung der Flugzeug- verglasungen ist sehr zeitintensiv. Die Produktion von komplexen Teilen erfordert zum Teil eine Durchlaufzeit bis zu einem Monat (Ziehen des Glases, das Zuschneiden, Nachbearbeiten, Zusammenleimen, das Anbringen der Randver- stärkungen). Zwischen 3000 bis 4000 Scheiben und Segelfliegerhauben werden pro Jahr auf Mass geformt.

Gegen Birdstrike gewappnet
Während die Verglasung des Trainingsflugzeugs PC-7 von Pilatus noch aus einem Windschutz und einem Canopy besteht, haben die Nachfolgermodelle - der PC-9M und der PC-21 - eine durchgehende Kabinenhaube (Canopy). Der Vorteil dieser Konstruktion ist, dass der Pilot bedeutend bessere Sicht nach vorne hat, weil ihn kein metallener Rahmenbogen mehr vor den Augen stört. Um die von der Zertifizierung geforderten Vogelschlag-Bedingungen bei 323 Knoten (323 X 1,852 km/Std., Angaben Pilatus Aircraft) trotzdem zu erfüllen, musste man bei der Kabinenhaube im vorderen Teil einen integrierten Windschutz herstellen. Mecaplex löst dies mit einer Sandwichbauweise, bestehend aus einer gereckten und einer gegossenen Acrylscheibe, welche zusammengefugt, blasen- und verzerrungsfrei 3D verbogen wird, sodass der Pilot eine einwandfreie optische Sicht hat. «Anstelle eines 10 cm breiten Metallrahmens sieht der Pilot noch eine rund 1 cm breite <Eintrittskante) zwischen dem integrierten Windschutz und dem Rest des Canopys», so Oggier.

Stark in der Segelfliegerei, aber nicht nur
Mecapalex zählt die verschiedensten Flugzeughersteller zu ihrem Kundenkreis. Alles, was in der Segelfliegerindustrie europaweit Rang und Namen hat, setzt auf deren Verglasungen. Seit ein paar Jahren ist das Unternehmen auch Ausstatter der Ecoliuht- und Microlight-Flieger (leicht gewichtige 2-Plätzer, meist mit einem 100-PSMotor). Auch im Bereich General Aviation (2- und 4-Plätzer-Standard-PrivatFlugzeuge) und Akrobatik-Flugzeuge ist Mecaplex tätig. «Die Helikopter- branche verlangt zurzeit regelrecht nach Mecaplex-Produkten.» Der neueste Trend ist, nach Oggier, der Very Light Jet (VLJ), ein 4- bis 6-Plätzer mit Druckkabine und einer oder zwei Turbinen anstelle der konventionellen Motoren mit Propeller. Die grossen Hauben der Trainingsflugzeuge sowie die dicken Verglasungen der Militär-Jets erlangen weltweit Aufsehen. Schliesslich gehört der Bereich Business-Jet und Regional-Jet (bis zu 100 Plätzen) noch ins Programm. «Hier sind wir eher tätig in den Lichtabdeckungen - transparente Verschalungen von Landelichtern und Navigationslichtern am Flügelende», präzisiert Oggier. Diese Abdeckungen sind zum Teil aus Polycarbonat (PC) mit einer hard coating Beschichtung.

Mecaplex AG - Lichtabdeckung für den Dassault Falcon 7X
Lichtabdeckung für den Dassault Falcon 7X

Mit einer Sandwichkonstruktion (PMMA/PC/PMMA) löst das Unternehmen hier den Spagat zwischen den physikalischen Eigenschaften eines Acrylglases und einem Polycarbonat, bei gleichzeitiger Stabilität, Zähigkeit, Temperaturbestän- digkeit und Polierbarkeit. Diese sogenannte Light Lease ist auf dem Falcon 7X (Dassault) im Einsatz. Ein Vergleich: Ein Standardglas vom CRJ 700 (Bombar- dier), 8 mm dick, PC beschichtet, mit der aufgespritzten Dichtung und den Inserts für die Aufnahme der Schrauben wiegt rund 2,5 kg. Dasselbe Bauteil im Sandwichverfahren - das Glas in 3-mm-Wandstärke, der umgebende Kohlefaser- rahmen in 4-mm-Wandstärke für den Falcon 7X - wiegt 800 g.

Für die Konstruktion dieses Sandwichglases wurde Mecaplex dieses Jahr vom Chambre France-Suisse pour le commerce et Industrie mit dem Prix Sciences & Techniques ausgezeichnet.

Ganze Systeme verkaufen anstelle von Einzelteilen
Will man innovativ und interessant am Markt sein, kann man nicht nur einfache Teile herstellen, sondern muss die Industrie im Design und im Engineering dieser Teile unterstützen, so die Meinung von Oggier. Vor diesem Hintergrund hat Mecaplex auch ihre Wertschöpfungskette nach unten (Design, Engineering) und oben (an Stelle von Einzelteilen werden ganze Systeme verkauft) erweitert. Im Falle der Lichtabdeckungen ist es ein Glas mit einer Dichtung  und einem Rahmen mit den entsprechenden Inserts; im Falle einer Helikopterverglasung ist es ein Kohlefaserrahmen mit einem Sandwich-las als Frontscheibe; im Falle eines Pilatus Canopys assembliert Mecaplex die komplette Kabinenhaube in den Kabinenrahmen, inklusive der Montage der Sprengschnur.

Im Moment arbeitet das Unternehmen mit der FHNW (Fachhochschule Nordwest- schweiz) zusammen in einigen Projekten zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Kunststoff-Verglasungen.

Als Nischenplayer, spezialisiert auf komplexe Teile und Baugruppen, kann Mecaplex schnell am Markt agieren. Die Diskrepanz zwischen den weltweit vier Firmen, die jeweils bei Grossprojekten im Rennen sind, könnte grösser nicht sein: Hier das Grenchener Familienunternehmen mit seinen 85 Beschäftigten, auf der anderen Seite drei namhafte Konzerne, welche 10 bis 15 Mal grösser sind. «Wir können stolz sein, da mit zu mischen. Aber es erfordert auch eine enorme persönliche Investition - betreffend Zeit, Leistung und Innovation», gibt Oggier zu bedenken.


60-jähriges Jubiläum
Rund um die Erdkugel und rund um die Uhr in der Luft - Mecaplex Seit 60 Jahren in der Luftfahrtindustrie

Es gibt keine Minute am Tag, in der nicht irgendwo am Himmel ein Flugzeug mit Mecaplex-Produkten unterwegs ist. Seit 60 Jahren ist die Grenchner Firma erfolg- reich im globalen Markt präsent.

1948 entschlossen sich drei Mitarbeiter der Farner Flugzeugwerke, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Hans Lüthi, Gustave Capitaine und Jean Martha- ler übernahmen die Produktionsstätte von Farner an der Güterstrasse. In der Schweizer Luftwaffe wurde in dieser Zeit das erste Jet-Kampfflugzeug eingeführt - der Vampire. Für dieses Flugzeug konnte die neue Firma Mecaplex die Kabinen- dächer sowie die Höhen- und Seitenruder herstellen. Ein grosses Prestigeobjekt für die junge Firma, schwärmte damals doch die ganze Schweiz von den neuen Jetflugzeugen.

Mecaplex AG - Firmengebäude

Vom Vampire zur F/A-18
Seit Ende der 50er-Jahre und bis heute hat Mecaplex ihren Hauptstandort an der Solothurnerstrasse 138. Im Verlaufe der Zeit sind neben den Produkten für die Luftfahrt neue Geschäftsfelder aufgebaut worden, beispielsweise in Richtung Ma- schinen für die Verpackungsindustrie. Die Aktivitäten in der Luftfahrtindustrie sind in allen Jahren aber geblieben. Vom Vampire kam der etappenweise Sprung bis zum F/A-18 und modernen Businessjets, vom Helikopter Alouette III zu den heu- tigen topmodernen Drehflüglern aus den Häusern Eurocopter und Agusta-West- land. Die drei Gründer vereinte nicht nur der Wille zum Selbstständigsein, sondern auch die Liebe zum Segelfliegen. Für die Leichtaviatik liefert Mecaplex denn auch seit der Gründungszeit Kabinenverglasungen aus Acrylglas.

Mecaplex-LogoMecaplex AG
Solothurnstrasse 138
CH-2540 Grenchen


Tel. +41 (0)32 644 22 11
Fax +41 (0)32 645 10 09

info@mecaplex.ch
www.mecaplex.ch


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