20. Jahrhundert - ab 1950
Im Nachkriegs-Deutschland wurden moderne Fasern wie »Dralon« und »Perlon« – chemisch identisch mit Nylon – zum Symbol für das Wirtschaftswunder. Vor allem Gardinen und Hemden wurden daraus hergestellt – und fanden reißenden Absatz. Kein Mensch wollte mehr Baumwolle tragen: Hemden aus den modernen Kunstfasern entlasteten die Hausfrau, weil Bügeln jetzt überflüssig wurde – und sie schonten die Haushaltskasse, weil sie preiswert waren. Aber vor allem: Wer die modernen Synthetikfasern trug, war »modern« – Dralon und Perlon standen für ein neues Lebensgefühl.
Mit der Polymertechnik diversifizierte sich der Markt der Kunststoffe immer mehr – ständig kamen neue Produkte in die Kaufhäuser und Läden. 1956 startete die massenhafte Herstellung von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) – aus diesen Materialien
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 Polyethylen (PE) als Granulat
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bestehen heute die meisten Kunststoffprodukte: ebenso wie Margari- nepackungen Wischtücher, Frischhaltefolien, Sportkleidung, Klebebänder oder Müllsäcke. Poly- propylen erwies sich umgehend als Polymer mit grosser industrieller Bedeutung. Es wurde welt- weit in stetig steigender Größenordnung produ- ziert. Trotz rechtlicher Streitigkeiten wegen der Erfindungsprioritäten wurde dieses Polymer ins- besondere in den USA, aber auch in Japan, in Grossbritannien und in Italien hergestellt. Im Jahre 1962 wurden weltweit noch dreihunderttausend Tonnen produziert. Heute beläuft sich die Produktion dieses Polymers auf ins- gesamt etwa 15 Millionen Tonnen mit ständig steigender Tendenz, eine einmalig hohe Wachstumsrate für Thermoplaste grossen Verbrauchs.
Nach der Entdeckung von PVC, Polyäthylen, Polyamid
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Helm aus Technopolymer herstellt
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(Nylon) und Polystirol tru- gen, in den letzten dreissig Jahren die besseren Kenntnisse über die Mechanismen der Polymeri- sation zur Entstehung anderer Kunststoffe bei. Diese neuen Kunststoffe verfügen über physikalische-me- chanische Eigenschaften und sind so hitzebeständig, dass sie Metallstoffe auch in den Bereichen ersetzen können, von denen man immer angenommen hatte, dass hier ausschließlich Metall verwendet werden könne. Turboladerräder in den Motorräumen moder- ner Autos sind aus Polyaryletherketonen (PAEK) ge- fertigt: Sie halten Temperaturen von bis zu 250 Grad Celsius stand. Diese Hitzeresistenz erreicht man durch den Einbau von flachen, scheibenähnlichen Molekülteilchen (Aromaten) in die Molekülketten des Kunststoffs. Weil die Atome der Aromaten besonders fest aneinander gebunden sind, wird auch das Plastik widerstandsfähiger. Je mehr aromatische Bausteine ein Polymer-Kunststoff enthält, desto mehr Hitze verträgt er.
Diese neuen Materialien werden auch Technolpoymer oder Polymer für das Ingenieurwesen genannt. Einige dieser Polymer werden sogar mit dem Begriff Superpolymer ausgezeichnet. Zu den Technopolymern gehört das Polykarbonat, das Polymethylpentan, die Acetalharze, das Polyphenyloxyd, die Ionomer, die Polysulfone, die Polyimide, das Polyphenylsulfid, das Polybutilenterephtalat usw.. Auch wenn das Polykarbonat über eine Laborgeschichte verfügt, die bis ins letzte Jahrhundert (1898) zurückreicht, wurde es in kommerziellen Mengen in Deutsch- land und in Amerika erst im Jahre 1959 hergestellt. Heute sieht man das Polykar- bonat als einen Technopolymer mit überdurchschnittlicher Leistungsfähigkeit an. Er wird unter anderem bei der Produktion von Weltraumhelmen für die Astronau- ten, von Kontaktlinsen und von kugelsicheren Schaltern und Schutzschildern einge- setzt.
Giulio Natta entdeckte und polymerisierte die Zusammensetzung
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 Guilio Natta
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Polymethyl- pentan oder TPX, die daraufhin von der ICL weiterentwickelt wurde. Wegen ihrer perfekten Transparenz und wegen ihrer perfekten Widerstandskraft bei der Sterilisation wird diese Zusammensetzung heute hauptsächlich von dem japanischen Unternehmen Mitsui für die Produktion von Artikeln für kli- nische Labors verwendet. Auch die Polyimide bleiben bei Temperaturen von über 300° C Grad, denen sie auch mehr als 5000 Stunden ausgesetzt werden können, stabil. Diese härtbaren Kunstharze verdeutlichen die hohe Leistungsfähig- keit der Kunststoffe: hohe mechanische oder thermische Beständigkeit, Verschleissfestigkeit. Die Polyimide haben inzwischen tatsächlich die speziellen Metalle ersetzt, die bis vor kurzem bei der Produktion von Turbinenschaufeln von Flugzeugen oder von anderen Motorteilen für Düsenflugzeuge unabkömmlich waren. Das gleiche gilt auch bei der Produktion von Kolben und Kolbenringen in der Automobilindustrie.
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